Dienstag, 17. Februar 2015

Fressattacken

Fressattacken & Alltag

Schon oft habe ich von diesem Thema gelesen und gehört, und natürlich hatte auch ich sie, kleine sowie auch große.
Fressattacken.
Es hört sich beängstigend an, ist es auch.
Diese Sekunden, wenn der Verstand wegbleibt, und der Körper übernimmt, wenn alles in ihm Alarm schlägt, in Form von HUNGER.
Sofort. Egal was. Süßes, Salziges, Saures, Herzhaftes.
Hunger bedeutet Mangel, und Mangel wiederum bedeutet erste Alarmstufe des Notstandes. Es geht ums überleben.
Unser Körper braucht Nahrung, damit er funktionieren kann. Er braucht Nahrung, damit er halbwegs ordentlich funktionieren kann.
Und doch versucht man immer wieder den Körper die Nahrung zu verweigern, damit Fettpölsterchen schmelzen können.
Oftmals wird am Morgen zum Frühstück schon eingespart. Was man eben nicht gegessen hat, landet auf unserem imaginären Pluskonto, man sieht schon die Fettpolster schmelzen. Bildet man sich ein.
Auch wenn man es schafft, etliche Tage durchzuhalten, der Körper holt sich das wieder, worauf er lange Zeit verzichten musste. Das nennt man Jojoeffekt. Und hat der Körper sich das wieder geholt, ist er sehr gierig und rückt das nicht so schnell wieder raus.
Das heißt, man ist noch hartnäckiger, man kämpft intensiver gegen seinen Hunger an.
Und doch kommt sie wieder, erst der Heißhunger, dann die Fressattacke.
Geht diese Sache über Monate und Jahre hinweg, entwickelt sich daraus meist eine böse Essstörung.


Fressattacken & Gewohnheiten

Wenn der Verstand sich ausschaltet, werden Gewohnheiten eingeblendet. Der Körper erinnert sich an das glückliche Gefühl, als er im Überschuss das bekam, was er brauchte. Nicht nur um Organe, Zellen & Co zu versorgen, sondern auch die Speicher ordentlich (meist mit den falschen Sachen) voll zu knallen.
Wenn man tagsüber bspw. arbeiten ist, weiß er, dass es am Abend leichter fällt, sich das zu holen was ihm zusteht. Man ist erschöpft, nicht nur von der Arbeit. Immer wieder lässt man ihn gewinnen, und man nimmt sich vor, dass man ab den nächsten Tag konsequenter ist, dass man härter und disziplinierter kämpft.
Vielleicht sagt man auch zu sich selbst, dass man unter der Woche durchhält, und man sich am Wochenende etwas gönnt.
Dieses Gönnen wird zu einem kleinen Ritual werden, man lechzt förmlich danach. Und hat man sich erst mal etwas gegönnt, kann man nicht so schnell wieder damit aufhören. Wie befriedigend war doch das Gefühl, als unser Körper massenhaft Essen bekam. Am besten alles durcheinander, damit alles 'optimal' versorgt ist.
So frönen wir den Irrglauben immer wieder aufs Neue.


Fressattacken & emotionales Essen

Wenn der Verstand wieder aktiv ist, weiß er ganz genau, wie er einem beruhigen kann. Im Prinzip arbeitet er mit dem Körper zusammen, denn es ist einfach überlebenswichtig, dass er versorgt wird.
Also sucht man Ausreden und Rechtfertigungen.
Die Psyche in Kombination mit Stress.
Da man selbst für Stress verantwortlich ist, schiebt man gerne alles auf das, was man nicht einfach so begradigen kann. Immer wenn man etwas anstrengendes vor oder hinter sich hat, brauchte man eine Belohnung. Hat man sich zumindest über Jahre eingeredet.
Man hat dieses Belohnen schon seit klein auf eingespeichert, sich von anderen abgeguckt oder absichtlich eingerichtet. Eine sichere Ausrede, um Fressattacken zu rechtfertigen.
Und immer wenn wir uns negativ fühlen, schickt die emotionale Ebene einen Impuls zu unserem Körper: Wir müssen uns belohnen, wir müssen Essen, egal was.


Fressattacken & Stimulanzien und Suchtstoffe

Man versucht wirklich alles, um das Hungergefühl auszutricksen, um sich selbst auszutricksen.
Man setz Stimulanzien ein, um länger 'satt' zu sein, um sein Nervensystem zu beruhigen, um ein kleines Hocherlebnis zu bekommen. Man ignoriert die abhängige Wirkung, auch dass die Dosis mit der Zeit erhöht werden muss, um immer wieder aufs Neue an dieses Hochgefühl zu gelangen.
Gleichzeitig setzt aber auch die Lebensmittelindustrie Stoffe ein, die ebenfalls für ein Hochgefühl sorgen, was dazu führt, das wir unseren Hunger immer wieder mit den selben Lebensmitteln versorgen. Dass es nicht mal die richtigen sind, die, die unseren Körper nicht mal richtig versorgen, lässt man außen vor.
Der Körper gleicht sich aus. Essen wir zu süß, folgt darauf ein Impuls, etwas Salziges oder Saures einnehmen zu müssen.
Und doch sind es die Suchtstoffe, die diesen Kreislauf fördern, die erhöhte Dosis, dass wir immer mehr wollen, immer gieriger werden.


Fressattacken vermeiden

Wer sich selbst beobachtet, der kann genau diesen Kreislauf sehr gut beobachten.
Viele Menschen denken, dass es nur eine Richtung gibt. Und noch mehr reden sich ein, dass man für das und jenes 'nicht der Typ' sei.
Alles ist Gewohnheit, man hat sich selbst in dieses Desaster von Essen & Hungern hineinmanövriert. Es fing mit einem einzigen Gedanken an, und hörte mit dem ganz Großen auf.
Auch wenn jeder unterschiedlich ist, so ist es grob das Selbe.
Manche haben Glück, dass ihr Stoffwechsel so gut funktioniert, dass sie von diesem Kreislauf nichts mitbekommen, weil sie schlank bleiben und es nicht wissen wie es ist, wenn man gegen etwas kämpfen muss. Umgedreht ist es natürlich eine ähnliche Sache, wenn man mehr Fett & Muskeln ansetzen und aufbauen möchte, und es nicht so geht wie es soll (und man auch hier zu den falschen Lebensmitteln greift).

Den Fressattacken zu entkommen heißt, an sich arbeiten zu müssen, wozu viele Menschen nicht bereit sind. Sie lassen sich von den anderen Stoffen, die in der (ungenügenden) Nahrung zu finden sind, leiten.
Es ist nun mal so, dass man einen starken Impuls benötigt, um 'Stop' sagen zu können (wobei auch manchmal einfach nur die Einsicht, auf einem falschen Weg zu sein, hilft). Bei manchen kann es die Erkenntnis sein, dass man sich schon in einer Essstörung befindet, bei anderen ist es die Tatsache, dass man richtig Krank ist, was vielleicht nicht heilbar ist.
Die Intuition, der Wille ist es, dass wir den Drang nach Leben verspüren. Wir wollen leben, weshalb die meisten irgendwann eine Änderung wollen, weshalb wir auch oft alles versuchen und glauben, um dieses Ziel zu erreichen.
So wie die Drogensüchtigen, die clean werden wollen, so müssen diejenigen, die von Fressattacken weg wollen, lernen und verstehen, dass es hart werden wird. Natürlich verlangt der Körper immer wieder nach diversen Substanzen (Lebensmittel), auch Rückfälle sind meistens anfangs vorprogrammiert. Kein Mensch ist perfekt, und das sollte man auch nicht von sich selbst verlangen, diesen Perfektionismus.
Unsere Welt ist mittlerweile vernetzt, man kann überall Wissen, Motivation, Verbündete und allgemeine Unterstützung finden.

Wer Fressattacken vermeiden möchte, muss erst einmal verstehen, warum sie überhaupt da sind. Der muss verstehen, dass das meiste Essen den Körper nicht das gibt, was er braucht.
Eigentlich weiß es jeder, dass er Mikro- und Makronährstoffe benötigt, und doch gibt es unter denen Unterschiede, es gibt Gute und Schlechte.
Man muss begreifen, dass hungern einfach keine Option ist. Wir leben, wir möchten Leistung vollbringen, wir müssen uns bewegen. Und dadurch benötigen wir Zufuhr, und da hilft kein Tricksen.
Wir haben einen freien Willen, wir können jede Sekunde wählen, womit wir uns selbst versorgen.
Trinken und Essen wir zu wenig, sind wir unterversorgt. Um diese Unterversorgung auszugleichen, müssen wir anderweitig irgendwo im Körper einstecken. Zu wenig Makronährstoffe, Vitamine, Mineralien und Spurenelemente heißt, dass der Körper sich das anderweitig herholen muss. Wir bauen an 'unwichtigen' Stellen ab.
Und dadurch entstehen Krankheiten. Entzündungen, Schmerzen im Kopf oder in Gelenken, verminderte Sehstärke, Müdigkeit und Konzentrationsschwäche bis hin zu Geschwüren und Tumoren. Hauptsache wir überleben, egal wie eingeschränkt, egal in welcher minderwertigen Qualität.

Um den Anfang zu erleichtern, sollte man sich erst gar nicht Risikomomente aussetzen. Wer Ungesundes Zuhause hat (sei es noch so wenig), wird auch immer wieder dazu greifen. Gerade am Anfang hat man noch keine Kontrolle. Sobald der Verstand mal kurz ausgeschalten ist und die Gewohnheiten übernehmen, greift man danach.
Viel Trinken heißt auch mehr Volumen. Außerdem, wenn man seinen Körper mit viel Wasser versorgt, der erreicht, dass wichtige Nährstoffe auch dahin transportiert werden, wo sie hin müssen, der erste Schritt um einen Mangel vorzubeugen!
Wer sich mit gesunden Essen verbindet, das heißt sich damit beschäftigt, viel liest und Bilder anschaut, der verinnerlicht das mit der Zeit. Es kommen immer mehr 'Aha'-Erlebnisse, man schult seine Gewohnheiten um, man programmiert sich neu. Ungesund war gestern, gesund ist heute.
Je häufiger und mehr man naturell (roh) isst, desto intensiver entwickelt sich unser Geschmack, der mal irgendwann da war. Wir schmecken die Frische, können im Ungesunden die Chemie plötzlich herausschmecken. Erkenntnis führt zum Durchhalten, bis man ganz bewusst weiß, was einem gut tut und eben nicht. Der ganze Körper verändert sich, man selbst verändert sich. Man gewinnt an Lebensqualität, an Selbstbewusstsein, was wiederum zu ganz anderen, tollen Dingen führen kann.


Du bist das, was du isst. Du bist das, was der Körper verwerten und aufnehmen kann.
Fang am besten sofort an!

Kommentare:

  1. Daumen hoch, super Artikel! :o)
    lg
    zelakram.blogspot.com

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  2. "Der Körper erinnert sich an das glückliche Gefühl, als er im Überschuss das bekam, was er brauchte."
    Bei diesem Satz musste ich gerade weinen, weil das einer der Punkte ist, wieso ich immer wieder solche Anfälle habe. Dieses Gefühl der körperlichen Ruhe, weil alle Speicher endlich wieder voll sind, der Ausgeglichenheit. Nachdem man sich ein Jahr lang gequält hat mit Restriktion.
    Wenn sonst alles schon so aufgepeitscht und unruhig ist, so schweigt der Körper endlich mal. Bis der Verstand sich zurückmeldet. Und die Angst. Angst, dass die Sehnsucht nach diesem Gefühl wieder so groß ist, dass man ihm nachgibt. Dass die Angst vor der Angst so groß wird, dass man ohne sich groß zu wehren dem Drang nachgibt und sich so darin selbstbestätigt, dass man ein willensschwacher Versager ist.
    So is das jedenfalls bei mir.
    I'm sorry for the emotional rant :(

    Danke, dass du den Artikel geschrieben hast, ich habe brav gewartet, wie angekündigt :)
    Liebe Grüße,
    Esther

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    1. Danke für deine Worte! Genau so ist es. Wir müssen lernen, dass weder unser Körper, noch der Verstand unser Feind ist. Ich bin zum Glück drüber hinausgewachsen, wobei das auch Arbeit an sich selbst ist.
      es ist komisch, so nach und nach fallen mir immer Enge auf, was früher mal anders war. Wo ich anders reagiert hätte.
      Ich hoffe, dass du es auch irgendwann schaffen wirst!
      Liebste Grüße

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